Entspannungsverfahren

‚Entspannt sein‘, dieses Gefühl kannte ich lange Zeit überhaupt nicht. Stattdessen war ich ständig getrieben und immer in Gedanken. Körperlich waren die Schultern dauerhaft angespannt und die Zähne fest zusammengebissen. Ich habe im Laufe der Zeit viele Entspannungsverfahren ausprobiert. Bei manchen Verfahren konnte ich überhaupt nicht entspannen, z.B. beim autogenen Training. Bei Atemübungen hatte ich teilweise das Gefühl zu Ersticken und bekam Panik. Oft bin ich auch schon mit dem Gedanken ‚das funktioniert doch sowieso nicht‘ an die Sache herangegangen. Irgendwie gab es in mir eine Instanz, die nicht entspannen wollte und ich habe immer wieder Ausreden gefunden. Es scheiterte oft auch an der regelmäßigen Anwendung.

Meiner Meinung nach hat das ‚Nicht-Funktionieren‘ von Entspannungsmethoden auch mit der Trauma-Thematik zu tun. Die Anspannung kommt bei Trauma aus den tiefsten Schichten des Körpers. Eine Regulation von außen kann nicht funktionieren, weil nur das Symptom und nicht die Ursache behandelt wird. Selbst wenn es gelingt, kurzfristig zu entspannen, die ‚traumatische Ladung‘ im Nervensystem bleibt erhalten und wird sich immer wieder durchsetzen. Das hat sich zumindest bei mir so angefühlt. Im Laufe der Traumatherapie habe ich gemerkt, dass es mit der Entspannung jetzt viel besser klappt. Ich merke mehr und mehr, was Entspannung überhaupt ist und wie es sich anfühlt. Folgende Methoden zeigen bei mir persönlich die beste Wirkung:

 

TRE®

TRE® (Tension & Trauma Releasing Excersises ) ist gleichzeitig Entspannung und Traumatherapie. So eine tiefe Entspannung wie nach TRE® erfahre ich mit keiner anderen Methode. Ich mache das jetzt seit einem halben Jahr fast täglich. Es ist die einzige Methode, die ich schon so lange durchhalte. Ich merke, dass es mir wirklich hilft und mich weiterbringt. Meine Erfahrungen mit TRE® habe ich in einem extra Artikel beschrieben, diesen findest Du hier.

 

Yoga Nidra

Yoga Nidra heißt übersetzt: ‚Der Schlaf der Yogis‘. Man legt sich dazu auf den Rücken und hört ca. 30 min eine geführte Anleitung. Es ist wie eine Art ‚Schnellschlaf‘ bei vollem Bewusstsein. Yoga Nidra beschäftigt sich zu großen Teilen mit der Wahrnehmung des Körpers und der Atmung. Dadurch ist man von den Gedanken abgelenkt. Weitere Elemente sind bildliche Vorstellungen und eine Art Vorsatz, den man innerlich mehrmals wiederholt. Ich wende Yoga Nidra oft an, wenn ich schnell Energie tanken will, weil ich z.B. schlecht geschlafen habe. Ich habe mehrere CD’s ausprobiert und komme mit ‚Yoga Nidra – Die Perle der Tiefenentspannung‘ von Barbara Kündig am besten klar.

Konzentrative Entspannung

Diese Art der Entspannung habe ich in der Tagesklinik kennengelernt. Es handelt sich um eine Gruppentherapie, man kann es aber mit etwas Übung auch alleine im Kopf machen. Man liegt oder sitzt in verschiedenen Körperhaltungen und konzentriert sich sehr intensiv auf die eigene Körperwahrnehmung. Dann werden die Empfindungen von den einzelnen Teilnehmern laut verbalisiert. Der Therapeut fragt z.B.: ‚Welche Teile deiner Hand berühren den Boden?‘ oder ‚Welche Form hat die Auflagefläche deines Hinterkopfes?‘. Ich war sehr verblüfft, wie schnell und einfach sich dadurch bei mir eine tiefe Entspannung eingestellt. Ich war bei dieser Therapie in einer Gruppe, bei vollem Bewusstsein und habe auch noch geredet. All das entspannt mich im Allgemeinen überhaupt nicht. In Verbindung mit der Körperwahrnehmung hat es aber sehr gut funktioniert. Die Therapeutin meinte, dass die Therapie vor allem für ‚Kopfmenschen‘ gut geeignet ist.

 

Malen

Das Malen habe ich erst in der Krise wiederentdeckt. Wenn ich eine Weile gemalt habe, dann schaltet sich mein Kopf ab und die Gedanken kommen zum Stillstand. Nach dem Malen habe ich oft das Gefühl, dass meine Zähne nicht mehr aufeinanderpassen. Wahrscheinlich hat sich durch die dauerhafte Anspannung des Kiefermuskels mein ganzes Gebiss verschoben. Leider funktioniert das mit dem Malen nur, wenn es mir vorher schon einigermaßen gut geht. Wenn ich in einer Depression stecke, habe ich dazu keine Motivation. Meine Bilder sind für mich mehr als nur Hobby und Entspannung. Sie waren und sind für mich eine Art Therapie und sie helfen mir bei der Selbstreflexion. Ich habe für die Bilder eine extra Webseite gebaut. Wenn euch das interessiert, dann schaut einfach hier: www.punktemalen.de

 

 

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