Heilung

Bei der Heilung von schweren psychischen Erkrankungen muss man viel Geduld haben. Allein das Finden der richtigen Therapie ist oft ein langer Weg. Das Warten auf Therapieplätze ist frustrierend und kostet Lebenszeit. Meine Erfahrung mit Medikamenten waren sehr ernüchternd und ich nehme deshalb auch keine mehr.
Wenn man ’seine‘ Therapien gefunden hat, ist der Weg gar nicht so lang. Ich merke in den letzten Monaten wie es Schritt für Schritt bergauf geht. Ich spüre erstmalig Veränderungen, das war jahrelang nicht der Fall. Es gibt immer wieder Hindernisse und Rückschläge, aber die Richtung stimmt.

 

Körperorientierte Traumatherapie

Trauma steckt immer im Körper, der Körper ist deshalb auch der Weg der Heilung. Ziel ist es, die Übererregung im Nervensystem zu regulieren. Erst wenn das geschafft ist, gibt es eine Basis für weitere Therapieverfahren, die mit Gedanken oder Gefühlen arbeiten.

Körperorientierte Verfahren sind noch recht neu, es gibt aber mittlerweile ein gutes Angebot, beispielsweise Somatic Expierence, EMDR oder TRE®.

Ich persönlich praktiziere jetzt regelmäßig TRE® – das ist einfach und effektiv. TRE® ist die Abkürzung für Tension & Trauma Releasing Excersises. Dieses Therapieverfahren nutzt einen natürlichen Selbstregulationsmechanismus des Körpers – das Zittern. Weitere Informationen dazu findest Du unter tre-lernen.de

Nach den Sitzungen fühle ich eine tiefe Entspannung, die ich auf anderen Wegen so nicht erreiche. Mein Körper zittert recht heftig und die Bewegungen verändern sich auch im Laufe der Zeit. Ich lasse meinen Körper einfach zittern, er weiß was richtig ist. Man muss es nur zulassen. Durch die Übungen habe ich das Gefühl, dass irgendetwas von mir abfällt. Ich beginne jetzt meinen Körper zu spüren und die Mauer die zwischen mir und den Menschen steht, beginnt zu bröckeln. Die ganze Wahrnehmung der Welt verändert sich. Meine Psychotherapeutin ist schwer beeindruckt von den Veränderungen. Seit ich TRE® mache, sind die Sitzungen viel effektiver, weil ich offener geworden bin.

Man darf es mit dem TRE® aber auch nicht übertreiben. Durch das Zittern löst sich altes Traumamaterial. Dieses ‚Lösen‘ muss dosiert erfolgen, sonst kommt man in starke und überwältigende Gefühle. Das ist nicht ganz ungefährlich. TRE® sollte am Anfang immer in Anwesenheit und mit Unterstützung eines dafür ausgebildeten Therapeuten erfolgen.

 


Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Bei dieser Art der Therapie komme ich an meine Gefühle. Für die Heilung von Depression ist vor allem der Zugang zu den Wutgefühlen wichtig. Depression ist unterdrückte Wut. Wenn diese Wut ans Tageslicht gekommen und angenommen ist, dann ist man nicht mehr depressiv.

Mir war lange Zeit nicht bewusst, wie sehr ich in all den Jahren meine Gefühle weggedrückt habe. Sie waren in meiner Wahrnehmung nicht mehr vorhanden. Das Gefühl ‚Wut‘ kannte ich gar nicht. Schreien ging nicht, nicht einmal wenn sicher war, dass mich niemand hört.

In der Therapie wird all das ans Licht gebracht, was ich über Jahre hinweg in mich hineingefressen habe. Es fließen viele Tränen. Traurigkeit über das verpasste Leben, Schuldgefühle, Scham – alles dabei. Manchmal ist das sehr heftig. Ich habe aber eine sehr gute Therapeutin und ich bin sicher, dass daran kein Weg vorbeiführt.

 


Sich mitteilen und sichtbar werden

Ja, das mache ich ja jetzt mit dieser Webseite 🙂

Es geht aber vor allem darum, dies in echtem zwischenmenschlichen Kontakt zu tun. Das ist für mich eine große Überwindung und ich habe Angst davor. Ich lerne nach und nach, dass Beziehungen zu anderen Menschen etwas Gutes sind. Diese Erfahrung kennt mein System einfach nicht.

In Beziehung kann man erst treten, wenn man sich selbst und seine Grenzen spürt. Man muss in der Lage sein, seine Grenzen zu verteidigen um Überschreitungen zu verhindern. All dies lerne ich gerade.